Im Schlafzimmer war noch schattig. Durch die zugezogenen Vorhänge drang nur wenig Licht.
Am Bett kniete ein breitschultriger Mann und küsste seine Frau, die noch zu schlafen schien.
„Christa, Liebes, ich muss los, bin schon spät dran, habe einen wunderschönen Tag.“
Die Frau machte ein Auge auf und mit verschlafener Stimme sagte: „War der Anton brav in der Früh, Liebling?“
„Ja, Liebes, alles gut. In der Küche stehen frische Croissants und ich hab dich immer noch lieb. Jetzt muss ich aber wirklich los.“
„Ich dich auch, Hansi.“
Der Mann ging hinaus und schloss leise die Tür hinter sich. Man hörte schwere Schritte, wie er die Treppe hinunterstieg, dann ging die Haustür auf und zu. Kurz darauf war ein Auto zu hören, das tiefe Geräusch verschwand langsam am Ende der Straße. Es herrschte wieder Ruhe.
Sie schloss wieder die Augen und entschwand in die Welt der Träume.
Sie ging durch lange Korridore mit unzähligen Türen, es war alles ziemlich düster. Die Atmosphäre war der Nachtbeleuchtung geschuldet, blau, grün, Exit. Es kam ihr eine ältere Frau entgegen. Ihr Gang war sehr graziös, leicht und dennoch dynamisch. Die langen, grauen Haare der Frau, durch die Notbeleuchtung von hinten angestrahlt, erzeugten einen Schein um ihren Kopf. Sie zwinkerte verschwörerisch und lächelte sie an. Christa öffnete die zweite Tür auf der rechten Seite, ging durch und schloss leise hinter sich zu. Sie stand auf einer sonnendurchfluteten Lichtung, es duftete frisch nach Wald und Morgentau, sie hörte den Wind in den Baumkronen singen. Sie stand knöcheltief im seichten, klaren, warmen Wasser. Sie konnte ihre kleinen Füße sehen, die auf grünem Moos oder Gras standen. Das fühlte sich sehr angenehm an. Sie hatte das Gefühl zu schweben, von einer Leichtigkeit getragen, machte sie ein paar Schritte und drehte sich um die eigene Achse wie im Walzer. Ihr weißes Kleid entfaltete sich zu einem runden Fächer um ihren Körper und machte sie zu einer wunderschönen Blume. Sie sah eine kleine grüne Insel, auf der zwei Männer unter einem Baum standen. Es sah so aus, als ob sie unter dem Baum auf etwas oder jemanden warten würden. Die beiden kamen ihr sehr bekannt vor. Der ältere war dem Hans sehr ähnlich, den jüngeren sah sie zum ersten Mal, aber er hatte so ein vertrautes Gesicht, sie war sich sicher, ihn zu kennen, konnte ihm aber keinen Namen zuschreiben. Es war sehr viel Wärme in dem Bild. Alles war so klar und friedlich, sie fühlte sich geborgen und sicher. Sie hörte in der Ferne, dass jemand sie rief. Als sie sich umdrehte, stand sie wieder in dem langen Gang, ein junger Arzt sprach hastig zu ihr und zeigte auf ein Zimmer hinter sich, er wirkte müde und überfordert. Sie fasste ihn an der Schulter und lächelte ihn an, er beruhigte sich. Sie standen beide vor der Tür und horchten kurz hinein, es war alles sehr leise. Sie nahm einen tiefen Atemzug und ging hinein, helles Licht fiel ihr ins Gesicht, sie hob die Hand, beschattete es, um etwas zu erkennen.
Christa öffnete die Augen und sah die Vorhänge, die sich im Wind bewegten. Ein Lichtstrahl vom Fenster fiel direkt auf sie. Sie war wieder wach. Der Morgen musste schon weit fortgeschritten sein. Sie schaute auf das Handy, es war schon elf Uhr vorbei. Nicht mal fünf Stunden hatte sie geschlafen. Sie wird sich nie an die Nachtschichten gewöhnen, aber es half nichts, so ist der Job und das gehört dazu. Sie blieb noch einen Augenblick im Bett und versuchte sich an den Traum zu erinnern, aber der war bereits weg. Sie spürte nur, dass es schön und so angenehm war und dass es eine große, grüne Wiese gab.
„Ich glaube, ich bin urlaubsreif“, dachte sie. „Nur noch zwei Wochen, dann fahren wir weg. Eine Woche nur für sie und die Jungs, keine Schichten, kein Zeitmangel. Es ist zwar nur eine Woche, aber es sind ganze sieben Tage.“
Sie musste schmunzeln.
Auf dem Weg ins Badezimmer machte sie einen Schlenker in die Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Die Dusche hatte sich sehr gut angefühlt, spülte die Reste von der Nachtschicht ab und brachte sie langsam in den Tag. Es war wieder eine stressige Nacht, eine Kollegin war krank geworden und auf die Schnelle ließ sich kein Ersatz organisieren, also war das Team wieder mal unterbesetzt. Es gibt immer weniger Personal im Krankenhaus, es kommen aber gefühlt immer mehr Patienten. Es hat sich eine neue Mode eingeschlichen, in der Nacht in die Notaufnahme zu kommen, um die langen Wartezeiten in den Fachpraxen zu umgehen. Es ist zum Mäusemelken. Wenn man nach den Schmerzen fragt: „Wie lange haben Sie die?“ hört man meistens: „Seit drei Tagen.“ Leute, es ist kein Notfall, wenn es seit drei Tagen weh tut. Gehen Sie zum Hausarzt. Nichts zu machen, die Patienten sind unbelehrbar, wegschicken kann man keinen. Und dann kommen die echten Notfälle. Von kleinen Wehwehchen ins Schockraum, Lebensretter-Modus in unter einer Minute. Ein Job nur für die Harten.
Sie wusch sich die Haare und musste sich selbst schimpfen, schon wieder hatte sie Arbeit nach Hause mitgenommen. „Ich bin unverbesserlich“, ging ihr durch den Kopf.
Aus einem großen Spiegel an der Badezimmertür schaute ihr eine Frau Mitte dreißig zu und lächelte. Die nackte Frau hielt ihren Kopf seitlich und mit einem flauschigen beige Handtuch versuchte sie, die üppige kastanienbraune Lockenpracht zu trocknen. Ein paar schlaue Wassertropfen, denen erst mal die Flucht vom Handtuch gelungen war, suchten sich einen Weg über das Dekolleté Richtung Bauchnabel. Christa wickelte sich einen Turban um den Kopf und schaute die Frau im Spiegel direkt an.
Die wunderschöne braune Iris ihrer Augen mit kleinen blauen und grünen Fleckchen und dem tiefen Schwarz der Pupillen, die jetzt durch das schwache Licht im Badezimmer erweitert waren, strahlten Ruhe aus, Zuversicht und Liebe. Man mochte sie, war gerne in ihrer Nähe. Das war auch für sie wichtig, aber nicht so, wie die Liebe und Akzeptanz, die sie sich selbst entgegenbrachte. Nach der Scheidung von Luki hat sie sich selbst entdeckt und gelernt zu respektieren. Eine Ruhe im Alleinleben gefunden. Als sich das neue Gefühl einstellte, veränderte es alles. Auf einmal floss das Gute zu ihr, sie musste nichts mehr machen, um nichts kämpfen. Die Vielfalt, der Überfluss, die Ruhe, alles war da. Die Harmonie war omnipräsent. Dann kam Hans in ihr Leben und es wurde noch schöner. Eine ehrliche Beziehung, die auf gegenseitigem Respekt und Liebe aufgebaut war. Nichts wurde erzwungen, es ist alles aus ihnen heraus entsprungen. Das hat sie verbunden und näher gebracht, wie Wurzeln von zwei Bäumen, die sich gegenseitig unterstützen und gegenseitig nähren. Erst waren sie zu zweit, dann wurde Christa schwanger und der Anton kam auf die Welt. Die Entwicklung, die so lange auf sich hat warten lassen, ist mit einer berauschenden Geschwindigkeit über sie gekommen. Sie wurde gehoben und auf einen „anderen Planeten“ gebracht. Es ist ein ganz anderes Leben geworden, obwohl sich objektiv, nichts Dramatisches ereignet hat.
Sie zog nach dem Duschen den Bademantel von Hans an.
„Ich vermisse dich, Liebling, in den letzten Tagen haben wir so wenig Zeit für einander“, sprach sie in Richtung Fenster. Wieder huschte ein Lächeln über ihre Lippen.
Es kommt noch eine andere Zeit, dachte sie und nahm sich ein Croissant. Mmh, ist das lecker. Die Kaffeemaschine brummte leise. Es ist so wunderbar, nicht an jeder Kalorie denken zu müssen, weil man, oder eher die Frau, so geliebt wird, wie sie ist. Übertreiben kann ich trotzdem nicht. „Hallo, Frau Diät-Polizistin“, ging ihr durch den Kopf und das Lächeln kam wieder. Sie genoss ihren vollen, weiblichen Körper, mit Rundungen da, wo sie hingehören. Eine Frau ohne Ecken und Kanten. Genau richtig, nichts Übertriebenes und immer noch sportlich fit. Gerne auf dem Berg wandernd oder im See schwimmend. Sich und die Natur spüren. Es gibt doch nichts Schöneres, oder ? Das Leben ist so wundervoll.
Seit ich mit Hans bin, und das ist schon mittlerweile fünf Jahre, geht es mir immer besser. Es tut gut, geliebt zu werden, eine kleine heile Welt zu haben, wo man sich vor dem Gewitter des Alltagstrotts zurückziehen kann. Natürlich regnet es auch mal unterm Dach, aber das ist nichts im Vergleich zu früher.
Wir haben uns mit Hans vor dem Gartencenter kennengelernt. Ich war gerade dabei, Blumen für den eigenen Balkon auszusuchen und wurde ganz klassisch angebaggert. Ob ich mich nicht ganz zufällig mit den Blumen für die Fensterbank auskenne. Was für ein Zufall, das tat ich tatsächlich. Überraschung.
Und so hat es angefangen: Es war Frühling und die Liebe hing in der Luft. Anders könnte ich mir das nicht erklären. Ein junger, gut gebauter Mann, sportlich, energisch. Mit Manieren und Präsenz. Wie sich herausstellte, war er gerade vom Bund entlassen worden. Zehn Jahre Dienst prägen, das sieht man, und Frauen so wie so. Der wusste, was er wollte, das war ihr erster Eindruck, und bis heute hat sich nichts verändert. Offen, direkt, ehrlich. Ohne Ballast, ohne „Es ist kompliziert“. Sechser im Lotto zu treffen, ist dagegen Pipifax. Die Bekanntschaft hat sachte angefangen: mal Kaffee trinken gehen, mal ins Kino, mal nur spazieren und reden. Wir sind uns mental näher gekommen, haben uns aneinander kennengelernt, erst dann wurde es intimer. Old School pur. Ich habe nicht geglaubt, dass es so etwas möglich ist. Man kennt es nur aus den alten Büchern. Was für ein gewaltiger Kontrast zu meinem vorherigen Leben.
Die erste Ehe war eine Katastrophe. Drei Jahre Kampf, Diskussionen und Trennungen. Der Lukas ist kein schlechter Mann, er ist einfach nur unreif, ein kleiner Junge im Männerkörper. Er ist sehr attraktiv, witzig und fast immer gut drauf, solange sich alles um Spaß dreht. Wenn es ernst wird, wenn man plötzlich Verantwortung übernehmen muss, sieht auf einmal alles anders aus. Dann wird er wieder zum kleinen Jungen, den man an der Hand führen muss. Manchmal lustig, aber auf Dauer nur lästig. Es ist schwierig, Rechnungen und den Haushalt zu managen, wenn der Partner nur an PlayStation und Skateboard denkt. Oder gerade wenn die Miete fällig ist, er sich eine neue Gitarre zulegt.
Endlich, nach drei Jahren, ist der Bub endgültig gegangen, ein Ende mit Schreck. Plötzlich alleine, was nun? Wie sollte es weiter mit mir gehen? Doch die Trennung wurde schon bald zum Segen.
Der Kontakt mit Lukas ist immer noch da und noch dazu ziemlich gut. Es geht ja um gar nichts mehr und der Hans ist ja an meiner Seite.
Der Luki ist auch wieder mit einer jungen Dame liiert und sie passen ausgezeichnet zueinander. Sie hat auch versäumt, aus den Kinderschuhen herauszuwachsen. Nicht jeder muss erwachsen werden, wirklich, es ist gut so. Jetzt können sie gemeinsam durch die Klubs streifen und Selbstfindungsseminare besuchen. Statt Kinder gibt es einen kleinen Wuffie und es funktioniert wirklich ausgezeichnet mit den beiden. Er hat ihr sogar einen rosa Kontoroller gekauft, jetzt zocken sie die ganze Nächte durch, jagen Monster und sammeln Kredits. Das gleiche Niveau eben. Böse Christa. Wieder ein Schmunzeln.
In der Küche duftete es nach frisch gebrühtem Kaffee. Mit dem Becher in der Hand stellte sie sich ans Fenster. Im gegenüberliegenden Haus hat eine ältere Dame ihre Blumenkästen auf dem Balkon gesäubert, die letzten Handgriffe vor dem Winter. Die Nachbarin hat anscheinend die Bewegung der Gardine bemerkt und schaute Christa direkt an, sie lächelte freundlich und winkte der Dame zu. Ein freundliches Lächeln und ein kleiner Wink kamen an sie zurück. Die Gartenarbeit wäre jetzt sehr schön. Ein bisschen in der Erde wühlen, den Duft vom nassen Laub und von der frischen, kühlen Luft einatmen. Was ist das für ein Segen, es machen zu dürfen.
Bald, schon bald, vielleicht noch eine Biegung, und schon werden wir die Ziel gerade sehen.
Um wie viel leichter lebt sich, wenn man im Reinen mit sich selbst ist, ging ihr durch den Kopf. Wenn man auf dem richtigen Weg ist, ordnet sich, auf wundersame Weise, alles fast von alleine. Das Leben fließt zuverlässig vor sich hin, es gibt keinen Schreck, keinen Stress. Alles hat die richtige Intensität und ist in seiner Zeit.
Um das tägliche Glück zu beschreiben, braucht man so viele profane Wörter, aber selbst die große Menge ergibt nur ein flaches, fast monochromes Bild von etwas, was wesentlich mehr ist als nur Sprache.
Philosophie hin oder her, die Uhr tickt und ich muss noch etwas machen, bevor meine Jungs nach Hause kommen. In dem viel zu großen Bademantel sehe ich vielleicht sexy aus, aber mein liebster Zuschauer ist gerade in der Arbeit und versucht, seine Mitarbeiter zu noch mehr Leistung zu motivieren. So leid es mir tut, ich sollte mir doch lieber etwas Praktischeres anzuziehen.
In einer bequemen Jogginghose und einem legeren T-Shirt ging ich erst mal ins Anton Kinderzimmer. Ich bin wie jede Mutter und möchte, dass mein Kind eine gewisse Ordnung in seinem Zimmer hält. Das zu verlangen ist eine Sache, die Umsetzung eine andere. Eine durch einen Fünfjährigen gemachte Ordnung ist aber weit entfernt vom Ideal, das ich mir wünsche. Ab und an spiele ich also Zauberfee und helfe unsichtbar ein wenig nach. Viele Male haben wir das Aufräumen gemeinsam mit Anton gemacht, und ich bin mir auch sicher, dass viele weitere Aktionen noch vor uns liegen. Der Junge ist sehr begabt, kommt nach seiner Mama und macht wirklich alles nach seinen besten Möglichkeiten. Man hat zwar immer etwas zu beanstanden, aber der Wille ist da.
Sein Zimmer ist relativ klein und bekanntlich ist es sehr leicht, auf einer kleinen Fläche, wie dieser, mit so vielen Legosteinen Chaos zu erzeugen. Der große Hansi hilft da gerne nach und bringt immer wieder etwas Neues mit. Wenn es um Lego-Bausätze geht, gibt es kein zu viel. Da wird gerne auf dem Teppich eine neue Baustelle aufgebaut, und ganz selten werden die richtigen Männer am einem Abend fertig. Und wenn keine weibliche Stimme vorm Schlafengehen zum Ordnung machen aufruft, wird die Bauzeit um einen weiteren Tag verlängert. Ich finde das einfach fantastisch, wie die beiden miteinander umgehen. Vater und Sohn eben.
Wir wohnen in einer Dachgeschosswohnung mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer und einer geräumigen Wohnküche. Die Größe ist überschaubar. Die Miete ist vernünftig, man kann hier leben. Nichtsdestotrotz bleiben wir hier nicht mehr lange. Es ist geplant, dass wir ungefähr im Frühling ins Eigenheim umziehen. Ein Altbau, ein alleinstehendes Haus, das gerade renoviert wird. Mit Garten, für mich, wo ich mich austoben kann, Blumen und Gemüse anbauen und natürlich eine geräumige Garage mit Werkstatt für Hans. Da kann er seiner Passion nachgehen und an alten Autos herumschrauben. Ich kann kaum erwarten. Hoffentlich verlängert sich die Renovierungszeit nicht so wie bei den Lego-Baustellen. Aber auch wenn, was soll’s, es bleibt sicher alles im Rahmen.
Unser Traum kostet wahrscheinlich viel zu viel, aber es wird unserer. Es ist etwas ganz anderes als ein Mietshaus oder eine Mietwohnung. Es war schon immer mein Traum, in einem Häuschen im Grünen zu leben. Mit dem richtigen Menschen an meiner Seite sind so viele Träume wahr geworden.
Manchmal, vor lauter Freude, will ich tanzen und singen, und manchmal habe ich Angst, dass ich aus diesem wunderschönen Traum aufwache und das alles sich als eine Illusion entpuppt. Dass ich immer noch in einem Jugendzimmer, voller Videospiele, feststecke, in einer kaputten Ehe und das einzige Kind in meiner Nähe mein infantiler Ehemann ist.
Mit Luki wäre ein so geordnetes Leben gar nicht möglich. Es war damals auch kein Thema für mich. Ich war schon froh, wenn das Dispo nicht überschritten war. Eigenheim war früher genau so unerreichbar wie schwarze Zahlen auf dem Kontoauszug.
„Hallo, Christa, du wirst hier und jetzt benötigt.“
Ich schweife mit meinen Gedanken manchmal so schnell ab. Keine Ahnung, wie es kommt, dass ich so oft diese zwei unterschiedlichen Leben vergleiche. Ich tue mir und dem Lukas kein Gefallen damit. Hans gegenüber ist das auch unfair, weil ich meinen Ex in unser Leben hole. Auch wenn das nur in meinem Kopf ist.
Könnte sein, dass ich trotz allem, mich nach dem unreifen Mann sehne?
Nein, nein, nein, aber er war „der Erste“ und das bedeutet immer sehr viel.
Ach ja.
Ein tiefes Brummen von männlichen Stimmen hallte durch die Wände, Klangschalen ertönten und vergingen im Nichts. Eine mächtige Glocke wurde geschlagen. Ein Bass sang „Ohm“. Die Melodie des Mantra durchdrang die Stille, um zu vergehen, wiederzukommen und erneut in der Stille zu erlöschen. Immer und immer wieder. Tibetische Gesänge durchtränken mit ihren Vibrationen alle Räume. Die Vorstellungskraft malte Bilder von hohen Bergen und verschneiten Klöstern, wo Mönche in roten Roben mit gelben Schals im Lotussitz die Gebete sangen.
„Noch eine verlorene Seele“, ging ihr durch den Kopf. Der Jürgen, ihr Nachbar, ehemaliger Schullehrer und Sonderling, der auch im Dachgeschoss wohnte, hat sein Mittagsritual begonnen.
Aus dem Projekt “ Das Haus an der Jennbachstraße“
Reisender57
PS:
das Projekt geht jetzt in die australische Sommerpause, ab jetzt kommt „Road Book Australia“
Seit gespannt, so wie ich es bin, wo hin uns die Reise führt.
GVLG
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